Das Radio-Museum Linsengericht e.V. hat in diesem Jahr erstmals eine größere Exkursion für Mitglieder, Freunde und interessierte Gäste organisiert.
Ziel war die Barockstadt Fulda, wo ein ganztägiges Programm Einblicke in Technik-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte bot. Mit fast 40 Teilnehmern, die gemeinsam per Bus anreisten, zeigte sich deutlich, dass das Interesse an Rundfunk- und Technikgeschichte ungebrochen ist.
Der Verein verfolgt mit solchen Angeboten ein klares Ziel: Bildung für alle zugänglich zu machen. Daher waren ausdrücklich auch Nichtmitglieder eingeladen. Der Erfolg gab dem Konzept recht – die Gruppe war bunt gemischt, das Interesse durchweg hoch.
Auf dem Programm standen mehrere Stationen, die das technische und wissenschaftliche Spektrum auf unterschiedliche Weise beleuchteten. Im Planetarium wurden moderne Projektionsmethoden eingesetzt, um die Milchstraße, den Lauf der Planeten und die Dimensionen unseres Sonnensystems greifbar zu machen. Zwar stand das Thema nicht in direktem Zusammenhang mit der Radiotechnik, doch wurde rasch deutlich, wie unverzichtbar Funktechnik für die Erforschung des Weltalls ist. Ohne leistungsfähige Funkübertragung ließen sich weder Raumsonden steuern noch Signale aus den Tiefen des Alls empfangen.
Ein weiterer Höhepunkt war eine Stadtführung, die auch am Geburtshaus von Ferdinand Braun vorbeiführte. Der Fuldaer Physiker erhielt 1909 den Nobelpreis für Physik und gilt als Erfinder der „Braunschen Röhre“, die über Jahrzehnte hinweg die Grundlage für Bildröhren in Fernsehern und Oszilloskopen bildete. Für die Radiotechnik wie auch für die Entwicklung moderner Elektronik hat Brauns Arbeit nachhaltige Bedeutung. Das Haus, in dem er zur Welt kam, konnten die Teilnehmer zwar nur von außen bestaunen, doch schon dieser kurze Halt machte den Stellenwert deutlich, den Fulda diesem großen Sohn der Stadt bis heute beimisst.
Im Vonderau-Museum schließlich begegneten die Besucher einem weniger bekannten Kapitel Technikgeschichte: Dort wird an einen Fuldaer Apotheker erinnert, der bereits lange vor der eigentlichen Erfindung des Radios funktionsfähige Empfangsgeräte baute. Solche frühen Experimente zeigen, wie breit der Forschergeist jener Zeit war – und dass technischer Fortschritt oft auch von Einzelgängern außerhalb der großen Institute angestoßen wurde.
Darüber hinaus überzeugte das Museum mit modernen Ausstellungskonzepten und multimedialen Präsentationen. Gerade im Bereich Technikgeschichte ergaben sich für die Gäste aus Linsengericht zahlreiche Anregungen, die auch für die eigene Museumsarbeit wertvoll sind.
Besonders positiv fiel den Teilnehmern die Rolle der Stadt Fulda auf, die das Museum maßgeblich unterstützt. Ohne diesen Rückhalt wäre eine Einrichtung von solcher Qualität und Vielfalt kaum denkbar. Eine ähnliche Situation zeigt sich in Linsengericht: Auch das Radio-Museum könnte ohne die wiederholte Unterstützung durch die Gemeinde nicht in seiner heutigen Form bestehen. Ob durch Rat und tatkräftige Unterstützung oder durch materielle Hilfe – die Kommune trägt entscheidend dazu bei, dass das Museum seine Aufgaben erfüllen kann.
Die Bilanz dieser ersten großen Exkursion ist eindeutig: Das Konzept hat funktioniert. Die Teilnehmer erhielten nicht nur neue Eindrücke, sondern auch vertiefte fachliche Kenntnisse. Damit hat das Radio-Museum einen weiteren Schritt getan, seine in der Satzung festgeschriebenen Ziele zu verwirklichen – die Vermittlung und Pflege technikgeschichtlichen Wissens.
Nach den positiven Erfahrungen ist bereits klar, dass es nicht bei dieser einmaligen Unternehmung bleiben soll. Für das kommende Jahr wird eine weitere Exkursion geplant, die erneut das technische Fachwissen der Teilnehmer erweitern und zugleich den Blick über den Tellerrand hinaus öffnen soll.
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Gruppenfoto im Hof des Vonderau Museums Fulda. (Alle Bilder von Marius Werner)



























