Der 13. Februar steht im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt ganz im Zeichen des Radios. Zumindest wenn es nach der UNESCO geht, die dieses Datum zum jährlichen Welttag des Radios (engl. World Radio Day) erklärt hat.

Aus diesem Anlass hat sich das Radio-Museum Linsengericht mit der geplanten und teilweise bereits vollzogenen Abschaltung von UKW-Frequenzen sowie mit der Informationsversorgung mit Rundfunk im Katastrophenfall beschäftigt. Ursprünglich war in Deutschland geplant, die Übertragung des Rundfunks mit analogen Sendeverfahren bis zum Jahr 2010 (!) endgültig einzustellen und Rundfunksendungen danach nur noch digital zu verbreiten, weil die EU-Kommission dies zum erklärten Ziel gemacht hatte.
In der Schweiz steht der Rückschritt als Fortschritt: Die SRG (Schweizer Rundfunk) kehrt ins UKW-Radio zurück. Der Schritt kommt nicht unerwartet: Denn die UKW-Abschaltung in der Schweiz ist auf der ganzen Linie gescheitert. Das ist auch in Deutschland zu befürchten, denn wer bei einer Abschaltung über kein DAB+ taugliches Radio verfügt, geht dann tonlos aus. Wer bereits vor einigen Jahren ein digitales Radio für „nur“ DAB erworben hatte, kann auch nichts empfangen, denn das alte DAB-Radio kann die neuen DAB+ Signale nicht verarbeiten – so viel an dieser Stelle zum Thema Nachhaltigkeit. Genau dies hat beim Schweizer Rundfunk zu einem dramatischen Hörerverlust geführt.
Diese Inkompatibilität ist ohne Zweifel ein Vorbote dafür, dass innerhalb kurzer Zeit Veränderungen der Geräte verbunden mit sich ständig verändernden Betriebssystemen den fernöstlichen Herstellern eine ständige Einnahmequelle durch den Verkauf „neuer“ Radios eröffnen. Bemerkenswerterweise macht sich der öffentlich-rechtliche MDR in Sachen Umstellung flugs zum Werbeträger und schreibt wörtlich: „Bei Nutzung eines empfangsschwachen UKW-Geräts (Küchenradio oder Radiowecker) ist es möglich, dass Ihr MDR-Radioprogramm nicht mehr störungsfrei empfangbar ist. In diesem Fall schafft die Nutzung eines DAB+ Radios Abhilfe.“ Unerwähnt bleibt in diesem Zusammenhang, dass es innerhalb der EU nur ein Unternehmen gibt, das DAB-Radios baut. Technisat bezeichnet sich selbst „als einen der Marktführer“, was darauf schließen lässt, dass der Löwenanteil dieser Geräte aus dem Fernen Osten kommt.
Dies ist umso bemerkenswerter, denn in Japan und zahlreichen fernöstlichen Staaten wird das DAB System gar nicht genutzt. Es gibt auch keine Pläne zur Abschaltung von UKW-Rundfunk in Japan. Im Gegenteil, Neben den UKW-Sendern gibt es auch eine Vielzahl von AM-Sendern (Mittelwelle), und einige Radiosender bieten ihre Programme zusätzlich über UKW an, insbesondere für Katastrophen- und Warnmeldungen. Auch in den USA sind UKW und insbesondere Mittelwelle das Rückgrat der Radioversorgung. Auch Russland und China haben sich von DAB+ wieder verabschiedet. Die Testausstrahlungen in Peking und Shanghai gibt es nicht mehr. Russland schwört auf UKW und will kein DAB+ mehr einführen. In Neuseeland hat man die Testausstrahlungen mit DAB (alt) beendet. DAB+ ist nicht mehr geplant. Man bleibt bei UKW.
Das DAB+ Lobby Konsortium „Digitalradio Deutschland e.V.“, zu dem auch die Gerätehersteller gehören, wirbt unter anderem damit, dass der Empfang störungsfreier, besser und energiesparender sein soll. In Sachen Ökobilanz wäre zu erwähnen, dass ein DAB+ Radio etwa 30 bis 40 Mal mehr Strom verbraucht als ein UKW Radio. Grund ist der zusätzliche Mikrocontroller zum Dekodieren der digitalen Signale. Dies wirkt sich besonders bei batteriebetriebenen Kofferradios aus.
Das Thema „Störungsfrei“ kann so sicherlich nicht stehen bleiben. Wer mit DAB im Radio schon einmal eine längere Autobahnstrecke gefahren ist, dem bleibt die Erfahrung nicht erspart, dass es doch recht häufig zu einem Umspringen auf UKW kommt, weil das digitale Signal fehlt und ohne UKW das Radio stumm bleiben würde.
Ob das Klangvolumen beim digitalen Empfang wirklich besser ist, darüber streiten die Experten. Legt man einmal die technischen Eigenschaften einer CD zu Grunde, beträgt dort die maximal abtastbare Frequenz 44,100 kHz, mithin pro Kanal 22,05 kHz bei Stereo. Der Rest wird abgeschnitten. Das sollte eigentlich reichen. Aber weil nur ein Teil der erzeugten und wahrnehmbaren Ober- und Differenztöne gespeichert sind, kann dem geschulten Ohr etwas fehlen. Das ist messtechnisch durchaus nachweisbar.
Dabei leisten CDs mindestens 128 kbps, meistens etwas mehr. Die Bitrate gibt die Menge der Audiodaten an, die pro Sekunde übertragen werden. Eine höhere Bitrate bedeutet also einen Stream in besserer Qualität. Streamen geht mit einer Geschwindigkeit von 32 kbps bis 320 kbps – 32 kbps ist die niedrigste und 320 kbps die höchste Qualität. Wie sehen diese Werte für UKW respektive für DAB aus? Digitale Formate wie MP3 oder DAB+ verwenden für die Audiocodierung das effizientere HE-AACv2-Verfahren, auch AAC+ genannt. Die Datenraten liegen dabei zwischen 24 und 144 kbps, mithin deutlich weniger als technisch möglich und wünschenswert. Der NDR strahlt seine Programme mit 104 kbps aus. Um UKW-Qualität zu erreichen, werden für DAB+ Bitraten von mindestens 128 kbp/s oder besser 192 kbp/s empfohlen. Diese Qualität wird in Deutschland kaum irgendwo erreicht – weder privat noch öffentlich-rechtlich.
Ein wichtiger Aspekt ist heute die Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Die Ökobilanz von DAB wird sehr wahrscheinlich auch dadurch entschieden, was die Umwelt mehr belastet: Endloser Simulcast (Simulcast: eine Simultanübertragung desselben Inhalts UKW und DAB, oder Austausch der reinen FM-Geräte am Tag X, oder Ende des Simulcasts dann, wenn es eh kaum noch reine FM-Geräte gibt. Wertige Radios aus den 70ern und 80ern halten nahezu ewig. RoHS-konformer Fernost-Müll (RoHS ist die Abkürzung für „Restriction of Hazardous Substances“, also die „Beschränkung der Verwendung gefährlicher Stoffe) des 21. Jahrhunderts wird nach ein paar Jahren wegen brüchiger Lötstellen und „design-to-cost“-Folgen etc. irreparabel. Vermutlich werden viele DAB- und Internetradio-Geräte schon wieder gestorben sein, während „Omas Schätzchen“ immer noch ihren Dienst versehen.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Vorsprung online.